Frauen und Männer

Der Bund gibt ein klares Bekenntnis zur Gleichstellung von Frauen und Männern im Bundesdienst ab. Als Arbeitgeber dokumentiert er mit dem Bundes-Gleichbehandlungsgesetz seine Vorbildrolle hinsichtlich der Gleichbehandlung von Frauen und Männern in der Arbeitswelt und der Frauenförderung. In den letzten steigt, nicht zuletzt dank zahlreicher Maßnahmen der Frauenförderung, der Frauenanteil kontinuierlich an. Aktuell beträgt der Frauenanteil im Bundesdienst 41,9 Prozent.

Der Bund gibt ein klares Bekenntnis zur Gleichstellung von Frauen und Männern im Bundesdienst ab. Dafür wurden Institutionen wie Gleichbehandlungsbeauftragte, Kontaktfrauen/Frauenbeauftragte und die Bundes-Gleichbehandlungskommission ins Leben gerufen. Aber auch gesetzliche Instrumentarien wie verpflichtende Frauenförderungspläne und der Berichtslegung über den Stand der Verwirklichung der Gleichbehandlung und Frauenförderung an den Nationalrat sowie die ständige legistische Weiterentwicklung und Anpassung an die geänderten Rahmenbedingungen und Veränderungen der Arbeitswelt unter dem Genderaspekt belegen die Bemühungen des Bundes, die Gleichstellung voranzutreiben.

Frauenanteile im zeitlichen Verlauf

Die Erwerbsbeteiligung von Frauen ist in Österreich seit Mitte der 80er Jahre deutlich gestiegen. Lag der Anteil der erwerbstätigen Frauen im Jahr 1984 noch bei 49,4 Prozent, standen 2016 67,7 Prozent der Frauen im Erwerbsleben. Die Erwerbsbeteiligung der Männer ist im gleichen Zeitraum relativ konstant geblieben und betrug 2016 75,4 Prozent. Bei Frauen ist nach wie vor ein Aufholprozess im Gange, im Vergleich zu 2009 ist die Frauenerwerbsquote um 2,5 Prozentpunkte angestiegen.

Diesem Trend entsprechend steigt auch beim Bundespersonal der Frauenanteil kontinuierlich. Im Jahr 2015 lag er bei 41,9 Prozent. Bei den Vertragsbediensteten erreichte der Anteil 59,3 Prozent, bei Beamtinnen und Beamten 26,5 Prozent. Ein Vergleich mit 1995 zeigt, dass der Anteil der Frauen in nahezu allen Untergruppen des Bundespersonals gestiegen ist. Gefallen ist er ausschließlich in jenen Bereichen, in denen Frauen früher deutlich in der Überzahl waren. So ist unter Vertragsbediensteten ein Rückgang von 2,9 Prozentpunkten zu verzeichnen. Auf Berufsgruppenebene ist der Frauenanteil im Krankenpflegedienst kleiner als 1995. Insgesamt ist also ein Ausgleich zu beobachten, d.h. dass Frauen heute vermehrt in Berufen, die früher als „Männerberufe“ galten, arbeiten und Männer sich zunehmend auch für ehemals frauentypische Berufe interessieren.

Frauenanteile im zeitlichen Verlauf

Ein besonders hoher Anstieg des Frauenanteils ist in der Berufsgruppe Richterinnen und Richter und Staatsanwältinnen und Staatsanwälte, in der Qualifikationsgruppe der Akademikerinnen und Akademiker sowie in der höchsten besoldungsrechtlichen Einstufung der Sektionschefinnen und Sektionschefs zu verzeichnen ist.

Frauen in Führungspositionen

Frauenanteile im Bundesdienst in Prozent
Personalgruppe1995 2016 Differenz in Prozentpunkten 1995 auf 2015
Anteil nach Dienstverhältnis
Beamtinnen und Beamte22,0  26,5                           4,5
vertragliches Personal62,2  59,3                          -2,9
Anteil nach Berufsgruppe
Verwaltungsdienst47,7  52,7                            5,0
Exekutivdienst3,9  15,6                           11,7
Militärischer Dienst0,0  2,2                           2,2
Richterinnen und Richter, Staatsanwältinnen und Staatsanwälte29,5  53,1                          23,6
Krankenpflegedienst87,1  64,8                         -22,3
Lehrpersonen49,8  59,7                            9,9
Anteil nach Qualifikation
Akademikerinnen und Akademiker38,1  56,3                          18,2
Maturantinnen nd Maturanten40,0 44,6                            4,6
Berufsbildende mittlere Schule oder Lehrabschluss*22,1  42,5                          20,4
Pflichtschule63,1  64,0                            0,9
Bund gesamt35,9  41,9                            6,0

Legende zur Tabelle:
* Der Vergleich in der Qualifikationsgruppe "berufsbildende mittlere Schule oder Lehrabschluss" ist nur eingeschränkt möglich, da die Qualifikation von der besoldungsrechtlichen Einstufung abgeleitet wird. Nachdem im Exekutivbereich die Einstufung aber nicht auf die abgeschlossene Ausbildung schließen lässt, wird der Exekutivdienst im Gegensatz zu 1995 nicht in die Berechnungen zur Qualifikation eingeschlossen.

Frauen in Führungspositionen – Gender-Controlling

Eine zentrale Frage im Zusammenhang mit Gleichberechtigung ist, wie stark Frauen in Führungspositionen vertreten sind. Zum einen geht Führungsverantwortung mit Entscheidungs- und Gestaltungsmöglichkeiten einher, zum anderen korreliert sie auch mit der Einkommenshöhe und ist damit einer der Bestimmungsgründe des Einkommensunterschieds zwischen Frauen und Männern.

Eine gute Möglichkeit, auf Führungsverantwortung zu schließen ist, innerhalb der möglichen besoldungsrechtlichen Einstufungen höherwertige Verwendungen zu definieren. Die Methode ermöglicht ein effizientes und zeitnahes Controlling der Entwicklung von Führungsverantwortung in weiblicher Hand.

Frauen in den höchsten besoldungsrechtlichen Einstufungen
Qualifikations-gruppeBesoldungsrechtliche Einstufung und Position2006201120122013 2014 20152016 
Akademikerinnen, AkademikerA1/7-9 und Vergleichbare (z. B. SC, GL und Leitung großer nachgeordneter Dienststellen)15,8% 23,2%24,0%26,3% 26,4% 27,3%29,7% 
Akademikerinnen, AkademikerA1/4-6 und Vergleichbare (z. B. AL, AL Stv., Referatsleitung und Leitung größerer nachgeordneter Dienststellen)29,8% 34,9%35,1%36,8%37,8% 38,5%39,1% 
MaturaA2/5-8 und Vergleichbare (Referatsleitung, Leitung nachgeordneter Dienststellen, ReferentInnen in höherer Verwendung)24,4% 27,7%28,3%28,9% 29,8%30,4%31,1% 
FachdienstA3/5-8 und Vergleichbare (SachbearbeiterInnen in entsprechend anspruchsvoller Verwendung)29,3% 33,2%33,3%35,4% 35,1%35,3%36,0% 
alle Qualifikati-onsgruppenhöchste besoldungsrechtliche Einstufungen27,7% 31,7%32,0%33,7%34,1% 34,5% 35,2%

Seit 2006 sind die Anteile von Frauen in Führungspositionen auf allen Ebenen weiter angestiegen. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Frauenanteile, mit Ausnahme des Fachdienstes, weiter angewachsen.

Gemessen am Anteil der Frauen am Gesamtpersonal (41,9 Prozent) besteht dennoch Aufholbedarf. Eine Führungsposition bedarf meist langjähriger Erfahrung. Führungskräfte haben daher üblicherweise bereits ein gewisses Alter erreicht. Sie sind in den meisten Fällen zu einer Zeit in den Bundesdienst eingetreten, als die Erwerbsquote von Frauen noch deutlich geringer war als heute. In Folge dessen ist der Frauenanteil in jenen Jahrgängen, denen die Führungskräfte angehören deutlich geringer als im gesamten Bundesdienst.

Die unterdurchschnittliche Präsenz von Frauen in Führungsverantwortung ist daher auch demografisch bedingt. Aufgrund des hohen Frauenanteils in den derzeit jungen Jahrgängen ist jedoch zu erwarten, dass der wachsende Anteil von Frauen in Führungspositionen einen auch in den nächsten Jahren anhaltenden Trend darstellt.

Im Dezember 2016 betrug der Frauenanteil bei Spitzenfunktionen (Sektionsleiterinnen und Sektionsleiter) der Bundesverwaltung 30,3 Prozent. 20 von insgesamt 66 Sektionen werden derzeit von Frauen geleitet. Im Jahr 1995 wurden von insgesamt 79 Sektionen nur 2 von Frauen geleitet, was einem Anteil von 2,5 Prozent entspricht.

Maßnahmen zur Frauenförderung

Um den Trend zu mehr Frauen in Führungspositionen nachhaltig zu unterstützen, wurden seitens der Sektion III des Bundeskanzleramtes zahlreiche Maßnahmen gesetzt.

Dazu zählt die bundesweite kennzahlengestützte Steuerung. Hierbei setzen sich die Ressorts konkrete Ziele, welcher Frauenanteil in den höchsten besoldungsrechtlichen Einstufungen in den nächsten Jahren erreicht werden soll. Diese Ziele sowie die aktuellen Frauenanteile werden jährlich controllt und im Personalplan veröffentlicht.

Eine weitere wichtige Maßnahme stellt die Verpflichtung zur Veröffentlichung der wesentlichen Ergebnisse des Ausschreibungsverfahrens und der Zusammensetzung der Begutachtungskommission auf den Internetseiten der Zentralstellen dar.

Ferner ist durch geschlechterparitätische Entsendungen, die Teilnahme weiblicher Mitglieder in den Begutachtungs- und Aufnahmekommissionen garantiert. Darüber hinaus hat die Vorsitzende der Arbeitsgruppe für Gleichbehandlungsfragen (oder eine Vertreterin) das Recht, mit beratender Stimme an den Sitzungen der Begutachtungs- und Aufnahmekommission teilzunehmen.

Um die Transparenz und Objektivität der Vorgehensweise bei der Auswahl von Führungskräften zu erhöhen, ist in jeder Ausschreibung offen zu legen, mit welcher Gewichtung besondere Kenntnisse und Fähigkeiten bei der Beurteilung der Eignung der Bewerberinnen und Bewerber berücksichtigt werden.

Mütter- und Väterkarenzen

Mit Unterstützung des Partners wird es für Frauen leichter, nach der Geburt eines Kindes in der Arbeitswelt wieder Fuß zu fassen. Im Bundesdienst entschließen sich immer mehr Männer dazu an der Kindererziehung mitzuwirken und gehen in Karenz. Die Väterkarenzen steigen in den letzten Jahren stetig an; aktuell liegt der Männeranteil bei 14,8  Prozent

Die konkreten Karenzregelungen sind im Mutterschutzgesetz und Väter-Karenzgesetz enthalten. Beide Elternteile haben unter den gleichen Voraussetzungen einen individuellen Anspruch auf Karenz. Es bleibt ihnen selbst überlassen zu entscheiden wie die Karenzzeiten aufgeteilt werden. Die Karenz kann jedoch längstens bis zum Ablauf des zweiten Lebensjahres des Kindes in Anspruch genommen und zweimal zwischen den Eltern geteilt werden. Eine weitere Vorgabe ist, dass die Karenzteile unmittelbar aneinander anschließen müssen. Die gleichzeitige Karenzierung von Mutter und Vater ist prinzipiell nicht möglich. Eine Ausnahme stellt der erstmalige Wechsel dar, bei dem sich die Karenzzeiten für ein Monat überschneiden können. Dies verkürzt jedoch die Höchstdauer der Karenz um ein Monat.

Babymonat

Als Maßnahme zur Stärkung der Väterbeteiligung bei der Kinderbetreuung nach der Geburt wurde ein Rechtsanspruch auf Frühkarenzurlaub unter Entfall der Bezüge für Väter bereits ab der Geburt des Kindes geschaffen.

Dieser Karenzurlaub kann ab der Geburt des Kindes bis zum Ende des (fiktiven) Beschäftigungsverbotes der Mutter in Anspruch genommen werden. Der Beginn und die genaue Dauer dieses Frühkarenzurlaubes können frei gewählt werden. Seit 1. Jänner 2011 haben 1.927 Personen, das ist rund jeder sechste Vater, den sogenannten Papamonat in Anspruch genommen (Stand Dezember 2016).

Die Frühkarenz ist in dienst-, besoldungs- und pensionsrechtlicher Hinsicht wie eine Väterkarenz nach dem Väter-Karenzgesetz zu betrachten. Die Zeit der Frühkarenz ist damit für zeitabhängige Rechte zu berücksichtigen.

Telearbeit

Bei Telearbeit gemäß § 36a Beamten-Dienstrechtsgesetz 1979 bzw. § 5c Vertragsbedienstetengesetz werden dienstliche Aufgaben an einer nicht zu einer Dienststelle gehörigen Örtlichkeit verrichtet. Gemäß dem nationalen Aktionsplan wurde die Nutzung dieser Arbeitsform im Bundesdienst mithilfe einer Befragung aller Bundesdienststellen evaluiert. Die Rücklaufquote dieser Erhebung umfasst rund 60 Prozent der Bundesmitarbeiterinnen und Bundesmitarbeiter.

Eine Auswertung aus dem Jahr 2012 zeigt, dass rund 1.100 Bundesmitarbeiterinnen und Bundesmitarbeiter auf einem Telearbeitsplatz arbeiten. Mehr als die Hälfte ist im nachgeordneten Bereich tätig, ein Drittel in den Zentralstellen und rund 12 Prozent in ausgegliederten Einrichtungen.

Frauen nutzen diese Arbeitsform beinahe doppelt so häufig wie Männer.

Telearbeitsplätze sind, bis auf den Hilfsdienst, in allen Qualifikationsgruppen und Ebenen zu finden. Aus den Daten geht hervor, dass 58 Bundesbedienstete mit Führungsverantwortung (5 Prozent aller Teleworkerinnen und Teleworker) einen Telearbeitsplatz innehaben.

Telearbeit wird fast ausschließlich von der Berufsgruppe Verwaltungsdienst genutzt, da die Aufgabenerfüllung anderer Berufsgruppen, speziell des Exekutivdienstes (Polizistinnen und Polizisten, Justizwachebeamtinnen und Justizwachebeamte) sowie Lehrerinnen und Lehrer, naturgemäß am Dienstort erforderlich ist.

Cross Mentoring im Bundesdienst

Im Rahmen der Personalentwicklung des Bundes wird als karrierefördernde Maßnahme für Frauen ein Cross Mentoring Programm angeboten.

Besonderes Merkmal des Cross Mentoring des Bundes ist, dass Führungskräfte aus einem Ressort (Mentorinnen und Mentoren) Kolleginnen (Mentees) eines anderen Ressorts unterstützen. Die Mentorinnen und Mentoren vermitteln Wissen aus ihrer eigenen Erfahrung, geben Tipps zur Karriereplanung und erleichtern den Einstieg in berufliche Netzwerke. Das Programm wird laufend verbessert und stößt auf reges Interesse bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

Weitere Informationen sind unter diesem Link zu finden.

Teilbeschäftigung nach Geschlecht

Frauen sind mit 33,0 Prozent deutlich häufiger teilbeschäftigt als Männer (6,7 Prozent). Am stärksten wird die Möglichkeit der Teilbeschäftigung in den Berufsgruppen Lehrerinnen und Lehrer, Krankenpflege- und Verwaltungsdienst genutzt, was auch mit dem hohen Frauenanteil in diesen Berufsgruppen zusammenhängt.

Teilbeschäftigung nach Geschlecht