Qualifikation

Aus- und Weiterbildung haben im Bundesdienst einen hohen Stellenwert. So gilt für die meisten Bundesbediensteten das Vorbildungsprinzip, das heißt, dass für einen Arbeitsplatz eine bestimmte Vorbildung vorausgesetzt wird. Verglichen mit der Privatwirtschaft ist der Anteil gut ausgebildeter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Bundesdienst sehr hoch. Der Akademikerinnen- und Akademikeranteil und Maturantinnen- und Maturantenanteil liegt im Bundesdienst bei 50 Prozent, in der Privatwirtschaft liegt dieser Wert bei 35,3 Prozent.

Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durchlaufen eine interne Grundausbildung und auch berufsbegleitende Weiterbildung ist ein wesentlicher Bestandteil der Personalentwicklung in der Bundesverwaltung.

Qualifikationsstruktur (besoldungsrechtliche Stellung)

Qualifikationsstruktur (besoldungsrechtliche Stellung)

Die Darstellung in obiger Abbildung (prozentueller Anteil an Bediensteten mit akademischer Bildung: 33,2 Prozent, Matura: 16,8 Prozent, berufsbildender mittlerer Schule oder Lehrabschluss: 23,3 Prozent, Pflichtschule: 2,4 Prozent sowie Exekutivdienst und nicht zuordenbare: 24,3 Prozent)  wurde aus der besoldungsrechtlichen Stellung der Bediensteten abgeleitet. Diese spiegelt im Regelfall die höchste absolvierte Ausbildung wider. Eine Ausnahme bildet der Exekutivdienst. Das Vorbildungsprinzip ist im Exekutivdienst von eher untergeordneter Bedeutung, da die exekutivdienstliche Ausbildung nur in internen Ausbildungsstätten erworben werden kann. Unabhängig von der Ausbildung, die vor Eintritt in den Exekutivdienst erworben wurde, konnten Exekutivbeamtinnen und Exekutivbeamte bisher weitestgehend über den Weg der internen Ausbildung jede besoldungsrechtliche Einstufung erreichen. Daher werden die Exekutivbediensteten hier gesondert als nicht zuordenbar angeführt.

In den letzten Jahren hat sich die Aufnahmepolitik dahingehend entwickelt, dass rund ein Drittel der neu aufgenommenen MitarbeiterInnen im Exekutivdienst bereits einen Maturaabschluss haben. Daher ist davon auszugehen, dass der Maturantenanteil des Bundespersonals über den angeführten 16,9% liegt.

Hoher Akademikerinnen und Akademikeranteil im Bundesdienst

Der Grund für den hohen Akademikeranteil von 33,2 Prozent ist vor allem die Zusammensetzung der Berufsgruppen: Richterinnen und Richter und Staatsanwältinnen und Staatsanwälte sowie ein Großteil der Lehrerinnen und Lehrer sind Akademikerinnen und Akademiker. Besonders die Berufsgruppe der Lehrerinnen und Lehrer hat aufgrund ihrer Größe einen starken Einfluss auf die Qualifikationsstruktur des gesamten Bundesdienstes. Weiters herrscht insbesondere in den Ministerien ein hoher Bedarf sowohl an Expertinnen und Experten für die jeweiligen Verwaltungsmaterien, als auch Juristinnen und Juristen, da die Betreuung von Gesetzesmaterien (Legistik) eine zentrale Aufgabe der dort tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist. Generell lässt sich auch feststellen, dass die Rückbesinnung des Staates auf Kernaufgaben mit der Auslagerung vieler operativer, meist weniger qualifizierter Tätigkeiten einhergeht. Ein weiterer Grund für den hohen Akademikeranteil im Bundesdienst ist, dass typische Dienstleistungsaufgaben, mit hohem Bedarf an Fach- und Hilfskräften im Kompetenzbereich der Länder und Gemeinden liegen.

Zudem liegt in einigen Aufgabenbereichen des Bundes, die typischerweise sehr arbeitsintensiv sind, zwar die Verantwortung und Entscheidungskompetenz in einem Bundesministerium, die operative Umsetzung der Aufgaben wird dann aber privaten Unternehmen übertragen.

Der Akademikeranteil ist in den letzten Jahren stetig gewachsen. Unterbrochen wurde dieser Trend nur 2004, weil in diesem Jahr die Universitäten ausgegliedert wurden, und seitdem die gesamte Berufsgruppe der Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer nicht mehr erfasst wird. Im privaten Sektor erklärt sich der Zuwachs von 2,4 Prozentpunkten im Jahr 2004, dass seit 2004 die Absolventinnen und Absolventen von Fachhochschulen zu den Akademikerinnen und Akademikern gezählt werden. 

Höhere Ausbildung nach Geschlecht

Der Anteil der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit höherer Ausbildung (Akademikerinnen und Akademiker und Maturantinnen und Maturanten) beträgt im Bundesdienst 50 Prozent und ist somit verglichen mit der Privatwirtschaft (35,3 Prozent) sehr hoch.

Akademiker- und Maturantenanteil

Akademiker- und Maturantenanteil

Die Analyse nach Geschlechtern zeigt, dass 64,3 Prozent der Frauen, aber „nur“ 40,7 Prozent der Männer Matura oder einen Hochschulabschluss haben. Der Anteil der Männer mit Matura dürfte allerdings in Wahrheit um einige Prozentpunkte höher liegen, weil im Exekutivdienst nicht von der besoldungsrechtlichen Einstufung auf die Vorbildung geschlossen werden kann, und Exekutivbedienstete mit Matura oder Studienabschluss deswegen nicht in den Akademiker- und Maturantenanteil eingerechnet werden können. 

Zum Vergleich: In der Privatwirtschaft liegt der Anteil derer, die zumindest Matura haben, mit 39,2 Prozent (Frauen) bzw. 31,7 Prozent (Männer) deutlich niedriger als im Bundesdienst.