Einkommensbericht gemäß Bundes-Gleichbehandlungsgesetz

Der Einkommensbericht des Bundes zeigt die Einkommensdifferenzen zwischen Frauen und Männern auf. Eine wichtige Kennzahl stellt der Gender Pay Gap dar, der den prozentuellen Einkommensunterschied zwischen Frauen und Männern darstellt. Im Bundesdienst beträgt diese Größe 12,8 Prozent, bei den gesamten Voll- und Teilbeschäftigten in Österreich 18,4 Prozent.

Die Bundesregierung bekennt sich im aktuellen Regierungsprogramm zur Förderung und Chancengleichheit von Frauen in der Arbeitswelt. Als wesentliche Elemente der Frauenförderung sind dabei Einkommensgerechtigkeit und Einkommenstransparenz sowie Maßnahmen zur Erhöhung des Frauenanteils in Spitzenpositionen angeführt.

Weiters wurde im „Nationalen Aktionsplan für Gleichstellung von Frauen und Männern am Arbeitsmarkt“ die Strategie sowie konkrete Maßnahmenpakete erarbeitet, um für Frauen auf dem Arbeitsmarkt Verbesserungen zu erreichen.

Ein zentrales Ziel des Nationalen Aktionsplans ist die Reduktion von Einkommensunterschieden zwischen Frauen und Männern. Um solchen Einkommensdiskriminierungen entgegenzuwirken wird mehr Transparenz und im Zuge dessen eine Offenlegung der Gehälter je Verwendungsgruppe gefordert. Die gesetzlich verpflichtende Erstellung von Einkommensberichten wurde sowohl im Bundes-Gleichbehandlungsgesetz (B-GlBG) als auch im Gleichbehandlungsgesetz der Privatwirtschaft (GlBG) verankert.

Durch die Novellierung des § 6a B-GlBG im Jahr 2011 wurde das Ziel verfolgt, dass neben den ganzjährig vollbeschäftigen auch die teilbeschäftigten MitarbeiterInnen erfasst werden. Um eine Vergleichbarkeit der Frauen- und Männereinkommen zu gewährleisten, wird das Einkommen von Teilbeschäftigten auf Vollzeitbeschäftigung und jenes von unterjährig beschäftigten DienstnehmerInnen auf Jahresbeschäftigung hochgerechnet. Diese Hochrechnungen geben fiktive Einkommen aller MitarbeiterInnen des Bundes wider, unter der Annahme, dass alle Bediensteten ganzjährig Vollzeit gearbeitet hätten. Somit werden Verzerrungen aufgrund von unterschiedlichen Teilbeschäftigungsquoten oder Anteilen der unterjährig Beschäftigten zwischen Männern und Frauen neutralisiert und vergleichbare Einkommensinformationen dargestellt.

Heuer erscheint der Einkommensbericht des Bundes bereits zum vierten Mal in dieser Form und macht somit einen Zeitreihenvergleich des Gender Pay Gaps im Bundesdienst möglich: Betrug der Einkommensunterschied im Bundesdienst im Jahr 2012 noch 13,3%, so hat sich dieser im Jahr 2013 auf 12,8% und im Jahr 2014 weiter auf 12,5% verringert. Im Jahr 2015 hat er sich wieder leicht auf 12,8% erhöht.

Gender Pay Gap im Bundesdienst im Zeitreihenvergleich

Gender Pay Gap im Jahresvergleich

    
2012                     2013                    2014                    2015                   
13,3%12,8%12,5%12,8%

Warum hat sich der bundesweite Gender Pay Gap erhöht?

Der Gender Pay Gap hat sich bundesweit um 0,3 Prozentpunkte vom Jahr 2014 auf 2015 erhöht, obwohl sich die Einkommensunterschiede in allen Berufsgruppen im gleichen Zeitraum verringert haben. Dieses Phänomen ergibt sich aus einer veränderten Verteilung der Personengruppen auf die einzelnen Berufsgruppen von einem Jahr auf das folgende.

Die Analyse der Einkommensdaten hat ergeben, dass der Anstieg des bundesweiten Gender Pay Gaps nicht einer spezifischen Ursache zuzuschreiben ist, sondern sich aufgrund eines Zusammenspiels mehrerer Faktoren ergibt:

Zum einen sind dem Bundesdienst mit seinen vielfältigen Aufgaben und Berufsfeldern darauf abgestimmte unterschiedliche Gehaltsschemata zu Grunde gelegt. Änderungen in der Zusammensetzung des Bundespersonals nach Berufsgruppen wirken sich unweigerlich auf das Medianeinkommen aus. Zusätzlich hat eine Veränderung der Altersstruktur sowie eine Verschiebung in der Aufteilung der Dienstverhältnisse (Beamte vs. Vertragsbedienstete) maßgeblichen Einfluss auf Einkommensdifferenzen.

Die Analyse der Einkommensdaten ergeben, dass das Medianeinkommen der männlichen Bediensteten (+ 3,4%) im Vergleich zum Medianeinkommen der weiblichen Bediensteten (+ 3,1%) – gemessen am Einkommensniveau im Kalenderjahr 2014 – stärker angestiegen ist. Diese stärkere Erhöhung lässt sich unter anderem dadurch erklären, dass das Pensionsantrittsalter der Männer im Bundesdienst, im Vergleich zu jenem der Frauen von 2014 auf 2015 stärker angestiegen ist, während es bei den Frauen geringfügig gesunken ist. Die männlichen Bundesbediensteten waren somit im Jahr 2015 im Vergleich zum Vorjahr länger in den höchsten Gehaltsstufen. Diese Auswirkung ist vor allem bei Beamtinnen und Beamten nicht unwesentlich, da ihre Gehaltskurve gegen Ende steil verläuft.

Ein weiterer Grund für die Öffnung des Gender Pay Gaps ist in den geringeren Auszahlungsbeträgen aufgrund von Überstunden für weibliche Bedienstete zu finden. Die Ursachen können einerseits darin liegen, dass die Teilbeschäftigung nach wie vor ein weibliches Phänomen ist. Teilbeschäftigte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind aufgrund von dienstrechtlichen Vorgaben im Vergleich zu Vollzeitbeschäftigten eingeschränkter im Hinblick auf die Möglichkeit sich die Überstunden durch Bezahlung abgelten zu lassen.

Als weitere Ursache für die Erhöhung des Gender Pay Gaps ist die Methodik des Einkommensberichtes anzuführen: Nachdem die gesetzlichen Grundlagen eine Einbeziehung der teilbeschäftigten Bediensteten und unterjährig Beschäftigten vorsieht, wurde die Methodik der Hochrechnung für diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entwickelt. Bei einer höheren Fluktuation mit einer anschließenden Nachbesetzung werden somit die Einkommen von zwei Personen hochgerechnet und ausgewiesen, als ob sie ganzjährig vollzeitbeschäftigt gewesen wären.

Im Falle von Karenzen ergibt das folgendes Bild: Hauptsächlich jüngere Frauen in tendenziell eher niedrigeren Gehaltsstufen treten ihre Elternkarenz an. Durch die befristete Ausschreibung der Ersatzkraftstelle interessieren sich wiederum in der Regel eher jüngere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer für diese Stelle. Auch bei in etwa geschlechtsparitätischen Nachbesetzungen erhöht sich die Anzahl der weiblichen Bediensteten trotzdem unverhältnismäßig im Vergleich zu den männlichen. Die Folge ist, dass der Median der weiblichen Einkommen dadurch gedrückt wird.

Dadurch, dass im Jahr 2015 – im Vergleich zum Jahr 2014 – mehr Frauen eine Karenz angetreten haben, ist dieses Phänomen als weitere Ursache für eine Verschiebung der Medianeinkommen zwischen Männern und Frauen zu erwähnen. Eine höhere Anzahl von Karenzierungen hat wiederum auch Auswirkungen auf die Überstundenverteilung. 

Einkommensunterschiede im Bundesdienst

Das System der Entlohnung von Bundesbediensteten, also die Anwendung gesetzlich fixierter Besoldungsschemata, hat im Zusammenhang mit der Einkommensschere zwischen Frauen und Männern einen Vorteil gegenüber individuellen Gehaltsvereinbarungen: Gleichwertige Arbeit wird – unabhängig vom Geschlecht – gleich bezahlt. Da die Entlohnung von der Bewertung des Arbeitsplatzes abhängt, gibt es bei der Besetzung eines Arbeitsplatzes keinen Spielraum für einkommensmäßige Ungleichbehandlung. Dennoch liegen die mittleren Einkommen von Frauen auch im Bundesdienst unter jenen der Männer, wenn auch der prozentuelle Unterschied deutlich geringer als in der Privatwirtschaft ist: Im Bundesdienst beträgt der um das Beschäftigungsausmaß und die nicht ganzjährige Beschäftigung bereinigte Gender Pay Gap 12,8%, während der Einkommensunterschied bei Betrachtung der Stundenverdienste von Voll- und Teilbeschäftigten in Österreich 18,4% ausmacht bzw. bei ganzjährig vollbeschäftigten Frauen und Männern in Österreich 18,2% beträgt.

Gender Pay Gap im Bundesdienst im Vergleich zum Gender Pay Gap der unselbstständig Erwerbstätigen in Österreich

Gender Pay Gap im Bundesdienst im Vergleich zum Gender Pay Gap der unselbstständig Erwerbstätigen in Österreich

*Quelle: Rechnungshof (Einkommensbericht 2014/1) 

Generell ist der Gender Pay Gap im Bundesdienst weitgehend auf Unterschiede in den folgenden einkommensrelevanten Merkmalen zurückzuführen: der Umfang an geleisteten Überstunden, die Qualifikation, das Alter und das Innehaben einer Leitungsfunktion. In jenen Berufsgruppen, wo sowohl das vertragliche, als auch das öffentlich-rechtliche Dienstverhältnis vorkommt, wird der Vergleich von Frauen- und Männereinkommen dadurch erschwert, dass Beamtinnen und Beamte und Vertragsbedienstete nach unterschiedlichen Besoldungsschemata bezahlt werden und sich die Beamtenanteile unter Männern und Frauen meist unterscheiden. 

 Der nach Bereinigung der unterschiedlichen Beschäftigungsausmaße und unterjährigen Beschäftigung verbleibende Unterschied zwischen den mittleren Einkommen beträgt 12,8% und differiert nach Berufsgruppe zwischen 2,9% (Schulaufsicht) und 29,2% (Militärischer Dienst).  

Einkommensdifferenzen nach Geschlecht und Berufsgruppe

Einkommensdifferenzen nach Geschlecht und Berufsgruppe

Das Alter hat im Bundesdienst den größten Einfluss auf Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern. Das heißt, dass jene Berufsgruppen bzw. Verwendungsgruppen mit großem Altersunterschied auch eine bedeutende Einkommensdifferenz zur Folge haben. Dieses Phänomen ist in Besoldungssystemen mit ausgeprägter Seniorität zu erwarten und in der Analyse zu berücksichtigen. Nachdem ein Eintreten in den Bundesdienst in jungen Jahren eher die Regel als die Ausnahme darstellt, korreliert das Alter einerseits mit der Dienstzugehörigkeit und somit mit der Berufserfahrung, andererseits mit der Vorrückung in den Gehalts- bzw. Entlohnungsstufen. Daher wird eine deutliche Reduzierung des Gender Pay Gaps eintreten, wenn sich die Altersstruktur der weiblichen Beschäftigten jener der männlichen annähert.

Durchschnittsalter nach Geschlecht und Berufsgruppe

Durchschnittsalter nach Geschlecht und Berufsgruppe

Ist eine Gruppe von Bediensteten besonders klein, so haben individuelle Zufälligkeiten starke Auswirkungen auf statistische Größen. Gerade im Bereich des Krankenpflegedienstes fällt auf, dass Frauen trotz höherem Durchschnittsalter weniger verdienen. Aufgrund des kleinen Personenkreises in dieser Berufsgruppe sind die Ergebnisse der einzelnen Verwendungs- bzw. Entlohnungsgruppen für eine generelle Aussage aber nur begrenzt aussagekräftig.

Detailinformationen sind in der Publikation Einkommensbericht 2016 gemäß § 6a B-GIBG zu finden.