Work-Life-Balance: Arbeit als Übel – Freizeit als Lust?

Work-Life-Balance ist ein vielstrapazierter Begriff. Beim Versuch ihn zu übersetzen, wird schnell klar, dass oft recht Unterschiedliches damit gemeint ist. Geht es um die Vereinbarkeit von Freizeit und Beruf? Auf den ersten Blick scheinen hier die Seiten klar verteilt: Beruf als "notwendiges Übel" und Freizeit als erstrebenswertes Gegengewicht. Bei etwas näherer Betrachtung ist diese Polarisierung jedoch nicht haltbar.

Was Menschen motiviert

Der Mensch ist von Natur aus aktiv, die Bereitschaft sich anzustrengen, auf ein Ziel hinzuarbeiten oder seine Kreativität zu entfalten ist nicht nur Motor in der Freizeit sondern wirkt ebenso auch am Arbeitsplatz. Motivationstheorien beschäftigen sich mit der Frage, was die Menschen antreibt. Motivation wird dabei als ein Zusammenspiel zwischen den Eigenschaften einer Person, ihren Bedürfnissen und Zielen, den erforderlichen Anstrengungen und der Belohnung in einer bestimmten Situation verstanden.

Sowohl im Beruf als auch in der Freizeit kommt es also darauf an, die Aufgaben und Tätigkeiten mit den individuellen Fähigkeiten und Bedürfnissen in Einklang zu bringen. Die sogenannte "intrinsische"- aus der Person selbst kommende - Motivation geht nämlich nicht von externen Belohnungen aus, sondern entsteht durch die Beschäftigung mit der Tätigkeit selbst, wenn sie beispielsweise als herausfordernd und interessant empfunden wird oder die Möglichkeit bietet, Verantwortung zu übernehmen oder sich persönlich weiterzuentwickeln. Beruf und Freizeit stehen also im Hinblick auf Motivationsfaktoren nicht im Gegensatz. Beide können als lohnend erlebt werden und unter optimalen Bedingungen Zufriedenheit fördern.

Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben

Im Sinne der 2-Faktoren-Theorie von Herzberg stehen diesen motivierenden Aspekten ("satisfiers") "Hygienefaktoren" ("dissatisfiers") gegenüber. Darunter werden Umgebungsvariablen verstanden, die zwar Unzufriedenheit auslösen können, nicht aber längerfristig Zufriedenheit bewirken. Wenn Work-Life-Balance vor allem als Frage der Vereinbarkeit Beruf und Privatleben gesehen wird, haben wir es mit einem solchen Hygienefaktor zu tun. Unvereinbarkeit von beruflichen und privaten Verpflichtungen - sei es zur Kindererziehung, zur Pflege von Angehörigen - und die daraus resultierenden Belastungen können sich negativ auf die Motivation auswirken und im schlimmsten Fall sogar einen sich langsam festigenden Prozess der "inneren Kündigung" in Gang setzen: als Reaktion auf ein subjektiv empfundenes Ungleichgewicht kommt es zu zunehmender Demotivation und Freudlosigkeit bei der Arbeit und in weiterer Folge zur Beeinträchtigung der beruflichen Leistung.

Die Ergebnisse der Befragung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundes haben jedoch gezeigt, dass der überwiegende Teil mit der eigenen Arbeitszeitregelung zufrieden ist und für sie Beruf und Privatleben gut vereinbar sind. Besonders Gleitzeit aber auch Teilzeit werden in diesem Zusammenhang positiv bewertet.

Wohlbefinden am Arbeitsplatz

Im Sinne einer umfassenden Betrieblichen Gesundheitsförderung lässt sich zu guter Letzt unter Work-Life-Balance auch die Förderung von Wohlbefinden am Arbeitsplatz verstehen. Dabei steht der Erhalt bzw. die Verbesserung der Gesundheit der Beschäftigten ebenso im Zentrum wie die Stärkung des Gesundheitsbewusstseins oder die Reduktion von körperlichen, psychischen, organisatorischen oder sozialen Belastungen am Arbeitsplatz. Auf diese Weise kann arbeitsbezogenen Erkrankungen vorgebeugt und die Motivation und Effizienz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterstützt werden.